Archiv für die Kategorie ‘kapitalistisches Diktat’


Ist eigentlich schon wem aufgefallen, dass die Banken sich die Kredite immer doppelt besichern lassen?

Einmals durch die Bonitäts-Prüfung, mit der die Kreditwürdigkeit des Kunden bescheinigt wird – oder nicht; der Antragsteller muss dem Gläubiger (der Bank – die für die Einlagen ihrer Kunden haftet) diese selbst nachweisen. Er könnte ja ebenso ein ’systemisches Risikio‘ darstellen. Dies wäre dann der Fall, wenn er einen namhaften Kredit trotz mangelnder Bonität – also einen Vertrauens-Vorschuss / Pfand in Form von adäquater Zahlungsmoral, persönlichen Verhältnissen und stabile finanzielle Verhältnisse sowie ein stabiles Einkommen – bescheinigt bekäme, obwohl dem nicht so ist.

Andernmals durch den Kredit-Zins selbst! Denn dieser ist ja im Grunde nichts anderes, als die Gebühr für das Risiko der Bank eines teilweise oder Total-Ausfalls des vergebenen Geld-Kredits gegenüber dem Gläubiger – also den Kunden mit ihren Geld-Einlagen. Da das Kredit-Ausfall-Risiko nie vollständig zu eliminieren ist, sondern vielmehr immer ein Rest-Risiko auf Nicht-Zurückzahlung des Kredits bestehen bleibt, ist der Kredit-Zins anversicht auch gerechtfertigt. Es gibt leider keinen perfekten Markt, bei dem alles zu 100% getilgt wird, so dass der Zins theoretisch wegfallen könnte.  Auch wenn diesen Zahlungs-Ausfällen sicherlich auch andersweitig (..) beizukommen möglich wäre.

Die eigentliche Idee des Zinses ist in diesem Falle aus meiner Sicht in einer solidarischen Umlage-Versicherung zu sehen, welche in überschaubaren Kreisen auf ‚Dorf-Niveau‘ sogar ohne Weiteres funktionieren könnte:

Kann der Kredit – aus welchem Grund auch immer – von einem Mitbürger nicht oder nicht vollständig zurückgezahlt werden, so bedeutet das auch bei mehrmaligen Vorkommnissen (verschiedener Bürger), nicht den Untergang / die Insolvenz der Bank (die ja theoretisch auch nicht das Geld herzaubern kann..). Sondern die Kredit-Ausfälle der Bank werden solidarisch von den Schuldnern der ganzen Gemeinde getragen, durch den gezahlten Kredit-Zins von wenigen Prozent auf den so verteuerten Leih-Betrag.

Der Zins alleine würde also ausreichen, um etwaige Ausfälle der Bank – als uneinbringliche Forderungen verbucht – wett zu machen. Die Bilanz wäre durch die Mehreinnahmen der Bank aus Zins auf die Verleih-Gelder wieder ausgeglichen.

Soweit zur Theorie.

In der Praxis  scheinen die Banken jedoch den Zins gar nicht als Besicherung ihrer Geld-Vergabe wahrzunehmen. Sonst könnten sie auch ohne Weiteres auf die aufwendigen Bonitäts-Prüfungen verzichten. Nein; die Banken kassieren viel mehr gleich doppelt ab:

Jeden kredit-nehmenden Schuldner durch Anrechnung des Kredit-Zinses aufs Haben-Konto der Bank und im Falle eines Aus-Falles darf der Schuldner mit seinem Privat-‚Vermögen‘ – seinem gesamten Hab und Gut – auch noch bluten. Worin besteht der Sinn dieser doppelt – kollektiv wie paritätisch – praktizierten Schulden-Tilgung? Macht dies überhaupt Sinn?

Zudem muss man wissen, auch wenn es in die Thematik der doppelten Besicherung jetzt nicht wirklich rein passt, dass die (big) Geschäfts-/Investment Banken einen Großteil ihrer beachtlichen (20%+) Gewinne hauptsächlich durch Geld-Vermehrung auf der Basis der Ausgabe von ungedecktem Geld erwirtschaften.

Für mich gibt also ein quasi doppeltes Aufwiegen der Kredit-Ausfälle nur dann einen gewissen Sinn, wenn ein weiterer – oft nicht beachteter – Faktor, nämlich derjenige der Beschaffung notwendiger, jedoch sehr knapper Handels-Ressourcen – welche im Falle der Banken  eindeutig das Geld darstellt – mit in den gedanklichen Legitimations-Prozess hineinbezogen wird.

Die Beschaffung einer Basismenge an Zentralbank-Geld..

Stellt sich mir noch die Frage: Als was nehmen die Banken und Ökonomen den Zins dann war? 

Bei aufgeklärteren  sollte der Zins als das wahrgenommen und auch nach aussen kommuniziert werden, was er tatsächlich ist: Ein Obolus für die private Geld-Emission. Denn dort, wo das ganze Schuld-Geld emissioniert und der – wenn auch sehr limitierte – Zugang für fast Jedermann über das Banken-System nach ‚Unten‘ ermöglicht wird, ist man natürlich auch nicht von gestern. Im Gegenteil. Hier denkt die finanzielle Elite der privaten stakeholder der zwölf Privat-Banken, die zusammen die Federal Reserve – die US-Zentralbank also – bilden, sehr ‚progressiv‘. Sie schaffen das Geld aus dem Nichts und geben es jedoch nur als Schuld-Geld weiter aus – also nur gegen eine prozentual fixe Gebühr am nominellen Kredit. Auch die FED besichert sich im Grunde doppelt gegen einen Aufall – denn als Sofort-Pfand nimmt sie ebenfalls Staats-Anleihen, Schatzpapiere etc. in Kauf. Im Prinzip also exakt der gleiche Prozess, den auch eine (Kommunal-)Bank vollführt, mit dem einen Unterschied: Die US-Zentralbank (FED) kann das Geld praktisch unendlich schöpfen. Für sie ist Geld als Ressource nicht knapp. Lediglich die zur Verfügung stehenden, akzeptablen (Staats-)Sicherheiten für das auf paradoxe Weise (noch) kostbare Geld / US$ sind es. Die Federal Reserve ist somit Kreditgeber / Gläubiger der ersten Instanz und damit Profiteur in letzter Instanz. Sie bestimmt die Spielregeln – die Konditionen, zu denen ein US-Staats-Kredit vergeben wird. Den Leitzins etwa. Das kann die FED, weil sie quasi ein Markt-Monopol auf die Ressource Geld hat. Dieses wird durch das Patent der FED auf die Geldschöpfung gesichert. Solange ihr dieses Patent erhalten bleibt – es ihr der Staat nicht wieder aberkennt, solange kann sie die Geldwirtschaft willkürlich diktieren und für ihre privaten Interessen mißbrauchen.

Schuld-Geld im Übrigen deshalb, weil das Geld nicht schuldfrei – durch und für die öffentliche Hand – geschaffen wird, sondern mit einem Leit-Zins der ZB für das Kredit-Ausfall-Risiko des Marktes privat ‚besichert‘ wird – aus Gläubiger-Sicht gesehen. und wer kommt für das ganze schuldbehaftete Geld auf? Na? Die Bürger – die einen übersteigerten Bedarf an Geld haben und sich verschulden, in erster Linie natürlich. Aber auch die Industrie, denn ‚ohne Moos nix los‘, wie’s so schön heisst. Und damit sind wir Alle natürlich mit an Bord. Doch ist beim Menschen noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: Die Natur / Umwelt leidet natürlich! mit. Vom kapitalistischem Diktat sind weder Mensch noch Tier ausgenommen. Alle leiden unter ein und derselben Minorität privater Geldhalter, denen auf perfide Weise (mit Nachdruck!) das Recht der Geldschöpfung in die Hände gefallen ist (gegeben wurde) und das sie nicht mehr aufgeben wollen. So entsteht in exponentieller Geschwindigkeit aus Geld immer mehr Geld. Wächst und wächst – und sucht neue Anlage-Möglichkeiten in einer begrenzten Welt.

Dazu noch mein bekennendes Paradigma / Prophezeihung: Nur der kollektive Ausstieg aus dem Finanz-Faschismus, die Aufgabe der kapitalistischen Religion, die Ablehnung der systemischen Verschwörung und die Flucht nach Vorne, kann unsere Gesellschaft noch erretten – eine Gesellschaft, die diesen Namen auch verdient, wieder-erblühen lassen. Dazu müssen wir uns selbst aus dieser Abwärts-Spirale heraus-katapultieren, uns und so viele unserer Mitbürger wie möglich aus der kapitalistischen Gleichung herausnehmen – bevor der Kapitalismus 3.0 womöglich unser aller Schicksal besiegelt und wir endgültig ‚vor die Hunde gehen‘.

Eine recht interessante, weitergührende Frage in diesem Bezug: Wie wird international mit einem Staat umgegangen, der ‚Pleite gegangen‘ ist? Wird er sanktioniert? Oder ’nur‘ beim zukünftigen Handeln am Markt behindert / ausgeschlossen?

Was die Koppelung der Geldmenge mit dem vergüteten Gut-/Haben-Zins betrifft bzw. dessen Verhältnis zueinander: Bei kleineren Umsätzen bis zum Million-Bereich, was der Regelfall der meisten Banken ausmacht, kann man ja davon ausgehen, dass das Zins-Verhältnis vom Haben : Soll Betrag etwa 5:1 entspricht. Es wird also im Regelfall – die Erfahrung zeigt es – locker mal der fünffache Zins des gebotenen Zinses aufs Spargeld für einen in Anspruch genommenen Kredit verlangt.

Doch auch hier gilt, wie bei fast jeder Investition: Die nachgefragte Masse senkt bei Vollzug den Preis. Bei einem Investment eines zwei- bis dreistelligen Millionen-Betrages wird die Differenz von Haben-/Kreditzins zum Soll-/Sparzins marginal. Im Gegensatz zur Marktlogik – ‚je mehr ich von einer Ressource anbiete, desto weniger bekomme ich dafür‘ (bei endlicher Nachfrage), verhält es sich bei der Ressource Geld also genau umgekehrt: ‚Desto mehr ich anbieten / nachfragen kann – je mehr Geld ich für mich arbeiten lassen kann, desto günstiger werden die Konditionen für mich‘. Das Knappheits-Gebot ist somit ausser Kraft gesetzt und ein Einschwenken in Richtung Verteilungs-Gerechtigkeit nach diesem Prinzip (solange dieses vorherrscht) endgültig passé.


Erinnerungen an mein Leben – Mu’ammar Gadaffi / Col. Mu’ammar Gadaffi

Engl. Übersetzung Prof. Sam Hamod, Ph.D. /Deutsche Übersetzung aus dem Englischen: /Katharina Huber Cuénod

Recollections of My Life: Col. Mu’ammar Qadaffi, The Leader of the Revolution. April 8, 2011. QUELLE: Informationclearingshouse

Im Namen von Allah, dem Mildtätigen, dem Barmherzigen. Seit 40 Jahren, oder ist es länger, ich kann mich nicht erinnern, tat ich alles, was ich konnte, um den Menschen Häuser, Spitäler, Schulen zu geben, und wenn sie hungrig waren, gab ich ihnen Essen; ich wandelte sogar bei Benghazi die Wüste in Ackerland um; ich behauptete mich gegen die Attacken jenes Cowboys Reagan;

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Geld = diejenige Ware, die in einer Gesellschaft die Funktion des allgemeinen Äquivalents innehat

 

= reale Erscheinungsweise des allgemeinen Äquivalents

= spezifische Form des Werts, nämlich die Geldform

= symbolisiert verdinglichte abstrakte Arbeit

-> das ist ein theoretischer Ideal-Fall. In der Praxis hat sich das Geld – parallel mit der Industrialisierung und Finanzwirtschaft – von dieser äquivalenten Form die letzten paar hundert Jahre immer weiter entfernt!
Eines meiner größten Bedenken an der Marxschen (Arbeits-Wert)Theorie: Delta G

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass das heutige Geld bzw. die heutige unternehmerische Preiskalkulation absolut untauglich als Wertmaßstab ist; eine Kalkulation die genauso wenig brauchbar ist, wie das BIP ein geeigneter Indikator für den Reichtum oder gar den Wohlstand einer Nation darstellt.

Eigenschaft Preismaßstab setzt Eigenschaft Wertmaß voraus (!)

Das Wertmaß wird ja mit jedem etablierten, großflächig umgesetzten Produktions-Standard stetig gedrückt – es wird ständig ein neues, geringeres Wertmaß als Basis genommen. Ein dynamischer Prozess.
Das ist das Problem an der Industrialisierung: Je höher das zur Verfügung stehende Angebot / quantitative Maß einer Ressource, (bei gleicher Nachfrage) desto geringer ihr Preis.
Dadurch tendiert der Wert der Arbeit genauso wie derjenige aller anderer Produktionsmittel / Ressourcen gen Null – bis zum Peak.

Produktionsmittel scheiden als Quelle des „Mehr“ aus (Äquivalententausch), bleibt:
⇒ Arbeitskraft als Quelle des Mehrwerts

Das sehe ich augrund oben geschilderter Dynamik anders.

Die Industrie sollte daher – genauso wie der Bauer auf dem Felde – einen einheitlich-normativen Wertmaßstab heranziehen.

So wie der Bauer lange Zeit von seinem Acker leben musste (und konnte), so wie ein Sack Kartoffel für ihn immer den Wert eines Sack Kartoffels inne hatte (gewohnter, gleicher Arbeitsaufwand – gleicher Ertrag), so muss auch die Industrie – vom ersten Produktions-Schritt an! –  eine konstante Basis zur Bemessung (insbesondere endlicher) Ressourcen zu Grunde legen. Nicht regenerative Ressourcen eher noch im Wert erhöhen, als den Wert künstlich – durch leichteren Zugang und somit temporär-erhöhtem Angebot – zu drücken.Konjunktur-Schwankungen müssen weitgehend verschwinden.Vereinfacht – auf den Punkt gebracht, gefällt mir nicht, dass Marx zwar erkennen mag, was ‚falsch läuft‘ und dies auch bis ins letzte Detail versucht herauszuarbeiten, und dennoch gibt er keinen (konkreten) Lösungs-Ansatz das dazu beiträgt, das ‚Übel‘ / den Mißstand zu beseitigen / überwinden. Zumindeßt ist mir kein solcher bekannt. Marx sieht nur einen systemischen Fehler im Kapital-Bildungs-Prozess, welchen er quasi nicht empfiehlt – einfach hinzunehmen. Die Proletarier sollen ihn nicht dulden, sich nicht ausbeuten lassen.

Aber er sagt doch nicht wirklich, wie genau es besser gemacht werden sollte – er entwickelt keine Alternative, oder?

Das ist jedoch genau der Punkt, auf den ich aus bin. Die systemischen Fehler der Geldwirtschaft und des unternehmerischen Handelns in Zusammenhang mit der Ausbeutung des Bodens, des ‚Humankapitals‘ und daraus hervorgehende autoritäre Beanspruchung der Grundrente ..habe ich denke ich die letzten Jahre hinlänglich gut ins Auge gefasst. Ich will Lösungen dieses Dilemmas – ich will einen utopischen, antroposophen Ansatz fortführen zu entwickeln – ihn operationalisieren & mit ihm experimentieren.

Denn die Geldwirtschaft muss man meiner Meinung nach (vor-)leben, um sie zu etablieren.

Man kann sie nicht nur postulieren & hoffen, jemand greift es vielleicht irgendwann, irgendwo mal auf..Ich will nicht mein ganzes Leben lang nur von einer theoretisch perfekt-konzipierten Ökonomie träumen, die es doch so nie sein bzw. geben wird 🙂


 

 


Fazit meines Literatur-Studiums zu den Werken der Autoren Micheal Hardt, Antonio Negri

+ Auseinandersetzung mit Postwachstums-Ökonomie und der möglichen Rolle /des Potentials von Allmende-Gütern

 

Fragestellung: Was bedeutet es, in einer globalen Markt-Wirtschaft auf die Subsumierung von Gemeingütern wie Energie, Öffentlicher Nahverkehr, Bildung, … – ja, sogar Geld als Ware, unter die öffentliche Hand zu drängen, wenn die Quellen / die Schaffung dieser Gemeingüter in privaten Händen verweilt?

Analyse / Annahme:

Der Sozial-/ Wohlfahrts-Staat handhabt die der kapitalistischen Vermögens-Umverteilung (unten→oben) entgegengesetzte, weitaus geringfügigere Verteilung heutzutage so, dass existenz-sichernde Transfer-Maßnahmen zur Befriedigung von Grund-Bedürfnissen und zur Befriedung / Deeskalation der Geringverdiener & Arbeitslosen sozialisiert – die Kosten hierfür ’solidarisiert‘ werden. Das ist Fakt und zweifelt keiner an.

Was dagegen eher Grund für Überlegungen aufwirft, ist die Vermutung..

 

hieraus zu folgernde These für PostWachstum:

Viele Bestrebungen etwa einer von attac! derweil im Diskurs befindlichen möglichen Postwachstums-Ökonomie gehen – nach mehrheitlicher Auffassung (unbestätigt) – in dieselbe Richtung. (décroissance, deprivatisierung, öffentliche Güter, degrowth, Dekommodifizierung, allgemeine Wachstums-Kritik)

Diese (soziale Ungerechtigkeit und Ausbeutung*) gilt es mit über das ‚Keynsianische‘ * hinausgehenden Konzepten wie (Wieder)Aneignung der Gemeingüter, Deglobalisierung, neuen Formen der Arbeit, Ernährungssouveränität4 und Energiedemokratie neu zusammen zu denken, und zwar unter den Vorzeichen einer Wirtschaft, die nicht wächst, sondern bis zu einem Stabilisierungspunkt schrumpft. [*sinngemäß ergänzt – These zum PW von Alexis Passadakis & Matthias Schmelzer, Juni 2010]

→ zur Aneignung der Gemeingüter: Erforschung GG_MPI

wenn ich das richtig interpretiere, soll diese Konzept-Idee sich auf Allmendegüter / common goods beziehen – sprich auf die freie / gemeine Allokation und Nutzung nicht privatisierter natürlicher Reservate etwa von nat. Lebensgrundlagen wie Luft, Wasser, Boden; zudem Wild- & Fischbestände, Wiesen / Wälder, .. – aber auch vom Menschen geschaffene Formen der Infrakstuktur – also öff. Verkehrsmittel, Straßen, Parks, ..?!

Frage: Gehören zu Gemeingütern auch öffentliche Güter, von denen Niemand ausgeschlossen werden kann – wie Energie, Abfallentsorgung und Telekommunikation? Ich denke: Ja – aber erst in zweiter Instanz. Hier sollte man zwar ebenfalls ansetzen, jedoch mit einer grundlegend anderen Methodik / Strategie.

→ Differenzierung aller Aktion – allen Bestrebens gesellschaftlichen Wandels – unter der Prämisse der Vermeidung von Knappheit und der Lenkung des Wirtschaftens durch ökonomische Anreize oder Restriktionen. Diese zwei Ziele können nur durch Unterbindung der Akkumulation privaten Eigentums in zusätzlicher Ergänzung (doppelt hält besser) mit der wirtschaftlichen ‚Ächtung‘ des aus unternehmerischer Tätigkeit hervorgehenden Mehrwerts von übersteigert-akkumulierten / verhältnislosen privaten Eigentums – egal ob institutionell oder singulär – gewährleistet werden.

  • Negierung der bestehenden Misere, Auswüchse, Ungerechtigkeiten durch weitgehende Unterbindung des (willkürlichen) Handelns zu unrecht etablierter, nicht legitimierter (US-)Institutionen und Überführung der Entscheidungs-Gewalt in die Hände / die Obhut demokratischer Souveränität:was effektivst & am nachhaltigsten nur durch eine Transformation des Geldsystems gelingen kann; somit Auflösung / Zerstörung bestehender Institutionen, die den Fortbestand des aktuellen FIAT-Money Geldsystems (Praxis der Geldschöpfung, etc.) gewährleisten
  • Aussperrung /Ausklammerung des ad absurdum gesteigerten Grenznutzens aus dem zukünftigen ökonomischen ‚Welfare‘-Modell – Restriktierung der unternehmerischen Nutzenfunktion: was das Bestreben nach kapitalistischer Profit-Generierung aus unternehmerischer Tätigkeit ab einem bestimmten, demokratisch konsolidierten Punkt / Level sinnlos bzw. sinnfrei werden und somit folgerichtig verpuffen lässt; diese ‚Verpuffung‘ wäre als das gewollte / bewusst herbeigeführte Resultat eines gesellschaftlichen Verdikts biopolitischer Konstitution anzusehen. In dem man auf internationaler Ebene gesetzliche Restriktionen durchsetzt – z.B. Akkumulations-Limits oder Wucher-Verbot, welche die Privat-Autonomie wirtschaftlichen Handelns einschränkt; Anerkennung durch Wirtschafts-Mächte problematisch

In beiden Fällen muss sich die biopolitische Kollektive ihrer Macht bewusst werden, sie bündeln und durch demokratische Entscheidungsfindung legitimieren und durch den Souverän zu einer ersten Konstitution konsolidieren lassen. Unter Einbezug des Potentials und der Synergien, welche sich durch Optimierung der drei maßgeblichen Characteristika biopolitischer Arbeit

  • Kooperation
  • Autonomie
  • netzwerkartige Organisationen

ergeben, kann eine Bewegung von Dauer, die in dem Ziel der Bildung biopolitischer Institutionen gipfelt, gewährleistet werden.

zur Erläuterung:

Die Hegemonie der biopolitischen Produktion, die sich heute herausbildet, bringt neue demokratische Möglichkeiten mit sich. Dabei sind drei einander überlappende Entwicklungen entscheidend:

Erstens: Während in der Zeit der Hegemonie industrieller Produktion die Kapitalisten im Allgemeinen den Arbeitern die Mittel und Muster der Zusammenarbeit zur Verfügung stellten, nach denen sich die Produktion organisierte, ist in der biopolitischen Produktion die Arbeit selbst zunehmend dafür verantwortlich, für Kooperation zu sorgen. Daraus folgt zweitens: biopolitische Arbeit wird immer autonomer gegenüber dem kapitalischen Kommando, das, wo immer es eingreift, die Produktion eher behindert und Produktivität verringert. Drittens schließlich: Im Gegensatz zu den vertikalen, hierarchischen Formen von Kooperation, die das kapitalistische Kommando vorgab, schafft biopolitische Arbeit horziontale Netzwerkformen.

Insbesondere demokratische Ziel- und Entscheidungsfindung auf der Basis von speziell hierfür entwickelten Kommunikations-Instrumenten (‚liquid democracy‘ – ggf. anonym), zu welchen jeder Teilnehmer a priori freien Zugang (technische Bereitstellung und Transparenz durch Schulung) haben muss, muss hierbei aktiv vorangetrieben werden. Von jedem Subjekt muss Demokratie selbst erlebt werden – idealerweise durch unmittelbare Kommunikation / Gedankenaustausch innerhalb der lebendigen Zirkel unserer Metropolen durch „learning by doing“.

 

Dies kann, trotz allen gut-gemeinten Vorsätzen, nur in dieselbe Kerbe schlagen und ebenso wie die neo-sozialistische (Lobby- & Austeritäts-)Politik der Regierung während der letzten Jahrzehnte auf der Basis rudimentär-sozialistischer Rechts-Gesinnung, in der Bereitstellung  unzureichender Leistungen auf Kosten der Arbeiter & Angestellten / Proletarier und zukünftiger Generationen enden.

→Der Gedanke, der der Postwachstums-Ökonomie in dieser Phase (Dezember 2010) zu Grunde liegt, und seinen Schwerpunkt im ‚sozial-ökologischen‚ – weniger aber in einer ‚solidarisch-demokratischen‚ Form (was der biopolitischen Produktion von Gemeingütern eher entspräche) findet, ist nach meiner Auffassung aus folgendem Blickwinkel zu betrachten und kritisch zu analysieren:

Bildung von ‚Reservaten‘ an schon kapitalistisch ‚gewachsenen‘ Erzeugnissen (keinesfalls verwechseln mit echten Gemeingütern!) = Entzug eines kleinen, nicht kritischen Teils der Ressourcen heraus aus dem kapitalistischem Diktat → dies wird aber die Barrieren des Privateigentums nicht brechen / sprengen können, sondern nur für eine Zuspitzung kapitalisch-orientierter Nachfrage an gegebenen Wirtschafts-Ressourcen & -Gütern zur Folge haben. Denn ’sozialisieren‘ oder ‚ökologisieren‘ gleicht im Spiel des Lebens um immer mehr Profit einem ‚Kampf gegen Windmühlen‘.

Die Erzeugnis-Akkumulation und somit die Ausbeutung realwirtschaftlicher Produktivität – wo auf der einen Seite akkumuliert wird, da entsteht auf der Gegenseite Knappheit, die Wucher erst ermöglicht – wird beibehalten; sie wird sich in einem geschrumpften Pool der jeweiligen, endlichen Gemeingüter sogar noch weiter verschärfen. Das Kapital wird weiterhin – ganz im Sinne des ‚homo oeconomicus‘  die Differentiale in Raum und Zeit abschöpfen.

Auf diese Weise kann das Gemeinsame im Einklang mit der kollektivistischen Produktion wachsen und durch egalitärere Arbeits-Bedingungen – und zwar sämtliche Arbeitsformen ([in-]materiell, Handel) betreffend – zu einer in der Regel gerechtfertigten / adäquaten Bewertung des Arbeits-Mehrwerts – und damit der real erbrachten Arbeits-Leistung – führen und somit für soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und gerechte, legitime Verteilung des Reichtums sorgen.

Wird dieses Grob-Konzept realisiert und wird eine kritische biopolitische Masse erreicht, eine Rebellion / Insurrection möglich, wird der Löwen-Anteil der durch den amerikanischen Kapitalismus aufgeworfenen und zum Gipfel der Perversität getriebenen Problematik (un-)menschlichen Handelns – der Geißel der Menschheit – in nicht allzuferner Zukunft der Vergangenheit angehören. Die Menschheit hat es in der Hand, die Beseitigung des massiven Ungleichgewichts – nicht nur – zwischen Arm und Reich, das die Welt zum kippen droht, durch ihr Tun voranzutreiben und philantrophes Wirtschaften – vielleicht erstmalig in der Geschichte – zum Vorteil, ja zum Wohle Aller, zu verwirklichen.


Gleichnis / Anektode aus ‚commonwealth‘ (Hardt, Negri) Teil V – Jenseits des Kapitals? – 3. Vorbeben an den Bruchlinien:

Eines Tages sucht Monsieur Le Capital, weil er sich krank fühlt, Doktor Subtilis auf und bekennt, das er jede Nacht von einem immer wiederkehrenden Traum heimgesucht wird. In diesem Traum, so erklärt Monsieur Le Capital, steht er vor einem Baum voll reifer Früchte, die in der Sonne leuchten, aber in seinen Armen hat er Arthritis und er kann sie nicht hoch genug heben, um an die untersten Zweige zu gelangen. Er hat bohrenden Hunger, kann aber die köstlichen Früchte vor seinen Augen nur betrachten. Schließlich bekommt er mit großer Mühe eine der Früchte zu fassen, doch plötzlich merkt er mit Schrecken, dass er den verschrumpelten Kopf eines Toten in Händen hält.

„Bitte sagen sie mir, Doktor, was das zu bedeuten hat.“ – „Ihr Problem“, antwortet Doktor Subtilis, „Ist nicht nur ein gestörtes Bewusstsein, sondern auch ein gepeinigter Körper. Im Zeitalter biopolitischer Produktion löst sich die traditionelle Trennung zwischen Subjekten und Objekten auf. Die Subjekte produzieren keine Objekte mehr, die anschließend wiederum Subjekte reproduzieren. Das, was Sie da mit Händen zu greifen versuchen, Monsieur Le Capital, das ist die Subjektivität selbst. Aber wenn Ihre Hände die Produktion von Subjektivität zu fassen bekommen, zerstören Sie damit paradoxerweise, ja, tragischerweise das Gemeinsame und verderben den Prozess, weil Sie die Produktivkräfte welken lassen.“

Monsieur Le Capital ist angesichts dieser Diagnose natürlich völlig verstört, bittet den Arzt aber gleichwohl mit Nachdruck um ein Medikament. Nun, überlegt Doktor Subtilis, die alten Arzneien privater und staatlicher Kontrolle, nämlich der Neoliberalismus und sozialdemokratische Strategien, machen die Sache nur noch schlimmer. Nach langem Überlegen antwortet er schließlich kryptisch: „Ich kann Ihnen nur eines raten, Monsieur Le Capital: Berühren Sie die Frucht nicht!“  (mehr …)