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Ist eigentlich schon wem aufgefallen, dass die Banken sich die Kredite immer doppelt besichern lassen?

Einmals durch die Bonitäts-Prüfung, mit der die Kreditwürdigkeit des Kunden bescheinigt wird – oder nicht; der Antragsteller muss dem Gläubiger (der Bank – die für die Einlagen ihrer Kunden haftet) diese selbst nachweisen. Er könnte ja ebenso ein ’systemisches Risikio‘ darstellen. Dies wäre dann der Fall, wenn er einen namhaften Kredit trotz mangelnder Bonität – also einen Vertrauens-Vorschuss / Pfand in Form von adäquater Zahlungsmoral, persönlichen Verhältnissen und stabile finanzielle Verhältnisse sowie ein stabiles Einkommen – bescheinigt bekäme, obwohl dem nicht so ist.

Andernmals durch den Kredit-Zins selbst! Denn dieser ist ja im Grunde nichts anderes, als die Gebühr für das Risiko der Bank eines teilweise oder Total-Ausfalls des vergebenen Geld-Kredits gegenüber dem Gläubiger – also den Kunden mit ihren Geld-Einlagen. Da das Kredit-Ausfall-Risiko nie vollständig zu eliminieren ist, sondern vielmehr immer ein Rest-Risiko auf Nicht-Zurückzahlung des Kredits bestehen bleibt, ist der Kredit-Zins anversicht auch gerechtfertigt. Es gibt leider keinen perfekten Markt, bei dem alles zu 100% getilgt wird, so dass der Zins theoretisch wegfallen könnte.  Auch wenn diesen Zahlungs-Ausfällen sicherlich auch andersweitig (..) beizukommen möglich wäre.

Die eigentliche Idee des Zinses ist in diesem Falle aus meiner Sicht in einer solidarischen Umlage-Versicherung zu sehen, welche in überschaubaren Kreisen auf ‚Dorf-Niveau‘ sogar ohne Weiteres funktionieren könnte:

Kann der Kredit – aus welchem Grund auch immer – von einem Mitbürger nicht oder nicht vollständig zurückgezahlt werden, so bedeutet das auch bei mehrmaligen Vorkommnissen (verschiedener Bürger), nicht den Untergang / die Insolvenz der Bank (die ja theoretisch auch nicht das Geld herzaubern kann..). Sondern die Kredit-Ausfälle der Bank werden solidarisch von den Schuldnern der ganzen Gemeinde getragen, durch den gezahlten Kredit-Zins von wenigen Prozent auf den so verteuerten Leih-Betrag.

Der Zins alleine würde also ausreichen, um etwaige Ausfälle der Bank – als uneinbringliche Forderungen verbucht – wett zu machen. Die Bilanz wäre durch die Mehreinnahmen der Bank aus Zins auf die Verleih-Gelder wieder ausgeglichen.

Soweit zur Theorie.

In der Praxis  scheinen die Banken jedoch den Zins gar nicht als Besicherung ihrer Geld-Vergabe wahrzunehmen. Sonst könnten sie auch ohne Weiteres auf die aufwendigen Bonitäts-Prüfungen verzichten. Nein; die Banken kassieren viel mehr gleich doppelt ab:

Jeden kredit-nehmenden Schuldner durch Anrechnung des Kredit-Zinses aufs Haben-Konto der Bank und im Falle eines Aus-Falles darf der Schuldner mit seinem Privat-‚Vermögen‘ – seinem gesamten Hab und Gut – auch noch bluten. Worin besteht der Sinn dieser doppelt – kollektiv wie paritätisch – praktizierten Schulden-Tilgung? Macht dies überhaupt Sinn?

Zudem muss man wissen, auch wenn es in die Thematik der doppelten Besicherung jetzt nicht wirklich rein passt, dass die (big) Geschäfts-/Investment Banken einen Großteil ihrer beachtlichen (20%+) Gewinne hauptsächlich durch Geld-Vermehrung auf der Basis der Ausgabe von ungedecktem Geld erwirtschaften.

Für mich gibt also ein quasi doppeltes Aufwiegen der Kredit-Ausfälle nur dann einen gewissen Sinn, wenn ein weiterer – oft nicht beachteter – Faktor, nämlich derjenige der Beschaffung notwendiger, jedoch sehr knapper Handels-Ressourcen – welche im Falle der Banken  eindeutig das Geld darstellt – mit in den gedanklichen Legitimations-Prozess hineinbezogen wird.

Die Beschaffung einer Basismenge an Zentralbank-Geld..

Stellt sich mir noch die Frage: Als was nehmen die Banken und Ökonomen den Zins dann war? 

Bei aufgeklärteren  sollte der Zins als das wahrgenommen und auch nach aussen kommuniziert werden, was er tatsächlich ist: Ein Obolus für die private Geld-Emission. Denn dort, wo das ganze Schuld-Geld emissioniert und der – wenn auch sehr limitierte – Zugang für fast Jedermann über das Banken-System nach ‚Unten‘ ermöglicht wird, ist man natürlich auch nicht von gestern. Im Gegenteil. Hier denkt die finanzielle Elite der privaten stakeholder der zwölf Privat-Banken, die zusammen die Federal Reserve – die US-Zentralbank also – bilden, sehr ‚progressiv‘. Sie schaffen das Geld aus dem Nichts und geben es jedoch nur als Schuld-Geld weiter aus – also nur gegen eine prozentual fixe Gebühr am nominellen Kredit. Auch die FED besichert sich im Grunde doppelt gegen einen Aufall – denn als Sofort-Pfand nimmt sie ebenfalls Staats-Anleihen, Schatzpapiere etc. in Kauf. Im Prinzip also exakt der gleiche Prozess, den auch eine (Kommunal-)Bank vollführt, mit dem einen Unterschied: Die US-Zentralbank (FED) kann das Geld praktisch unendlich schöpfen. Für sie ist Geld als Ressource nicht knapp. Lediglich die zur Verfügung stehenden, akzeptablen (Staats-)Sicherheiten für das auf paradoxe Weise (noch) kostbare Geld / US$ sind es. Die Federal Reserve ist somit Kreditgeber / Gläubiger der ersten Instanz und damit Profiteur in letzter Instanz. Sie bestimmt die Spielregeln – die Konditionen, zu denen ein US-Staats-Kredit vergeben wird. Den Leitzins etwa. Das kann die FED, weil sie quasi ein Markt-Monopol auf die Ressource Geld hat. Dieses wird durch das Patent der FED auf die Geldschöpfung gesichert. Solange ihr dieses Patent erhalten bleibt – es ihr der Staat nicht wieder aberkennt, solange kann sie die Geldwirtschaft willkürlich diktieren und für ihre privaten Interessen mißbrauchen.

Schuld-Geld im Übrigen deshalb, weil das Geld nicht schuldfrei – durch und für die öffentliche Hand – geschaffen wird, sondern mit einem Leit-Zins der ZB für das Kredit-Ausfall-Risiko des Marktes privat ‚besichert‘ wird – aus Gläubiger-Sicht gesehen. und wer kommt für das ganze schuldbehaftete Geld auf? Na? Die Bürger – die einen übersteigerten Bedarf an Geld haben und sich verschulden, in erster Linie natürlich. Aber auch die Industrie, denn ‚ohne Moos nix los‘, wie’s so schön heisst. Und damit sind wir Alle natürlich mit an Bord. Doch ist beim Menschen noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: Die Natur / Umwelt leidet natürlich! mit. Vom kapitalistischem Diktat sind weder Mensch noch Tier ausgenommen. Alle leiden unter ein und derselben Minorität privater Geldhalter, denen auf perfide Weise (mit Nachdruck!) das Recht der Geldschöpfung in die Hände gefallen ist (gegeben wurde) und das sie nicht mehr aufgeben wollen. So entsteht in exponentieller Geschwindigkeit aus Geld immer mehr Geld. Wächst und wächst – und sucht neue Anlage-Möglichkeiten in einer begrenzten Welt.

Dazu noch mein bekennendes Paradigma / Prophezeihung: Nur der kollektive Ausstieg aus dem Finanz-Faschismus, die Aufgabe der kapitalistischen Religion, die Ablehnung der systemischen Verschwörung und die Flucht nach Vorne, kann unsere Gesellschaft noch erretten – eine Gesellschaft, die diesen Namen auch verdient, wieder-erblühen lassen. Dazu müssen wir uns selbst aus dieser Abwärts-Spirale heraus-katapultieren, uns und so viele unserer Mitbürger wie möglich aus der kapitalistischen Gleichung herausnehmen – bevor der Kapitalismus 3.0 womöglich unser aller Schicksal besiegelt und wir endgültig ‚vor die Hunde gehen‘.

Eine recht interessante, weitergührende Frage in diesem Bezug: Wie wird international mit einem Staat umgegangen, der ‚Pleite gegangen‘ ist? Wird er sanktioniert? Oder ’nur‘ beim zukünftigen Handeln am Markt behindert / ausgeschlossen?

Was die Koppelung der Geldmenge mit dem vergüteten Gut-/Haben-Zins betrifft bzw. dessen Verhältnis zueinander: Bei kleineren Umsätzen bis zum Million-Bereich, was der Regelfall der meisten Banken ausmacht, kann man ja davon ausgehen, dass das Zins-Verhältnis vom Haben : Soll Betrag etwa 5:1 entspricht. Es wird also im Regelfall – die Erfahrung zeigt es – locker mal der fünffache Zins des gebotenen Zinses aufs Spargeld für einen in Anspruch genommenen Kredit verlangt.

Doch auch hier gilt, wie bei fast jeder Investition: Die nachgefragte Masse senkt bei Vollzug den Preis. Bei einem Investment eines zwei- bis dreistelligen Millionen-Betrages wird die Differenz von Haben-/Kreditzins zum Soll-/Sparzins marginal. Im Gegensatz zur Marktlogik – ‚je mehr ich von einer Ressource anbiete, desto weniger bekomme ich dafür‘ (bei endlicher Nachfrage), verhält es sich bei der Ressource Geld also genau umgekehrt: ‚Desto mehr ich anbieten / nachfragen kann – je mehr Geld ich für mich arbeiten lassen kann, desto günstiger werden die Konditionen für mich‘. Das Knappheits-Gebot ist somit ausser Kraft gesetzt und ein Einschwenken in Richtung Verteilungs-Gerechtigkeit nach diesem Prinzip (solange dieses vorherrscht) endgültig passé.


Geld = diejenige Ware, die in einer Gesellschaft die Funktion des allgemeinen Äquivalents innehat

 

= reale Erscheinungsweise des allgemeinen Äquivalents

= spezifische Form des Werts, nämlich die Geldform

= symbolisiert verdinglichte abstrakte Arbeit

-> das ist ein theoretischer Ideal-Fall. In der Praxis hat sich das Geld – parallel mit der Industrialisierung und Finanzwirtschaft – von dieser äquivalenten Form die letzten paar hundert Jahre immer weiter entfernt!
Eines meiner größten Bedenken an der Marxschen (Arbeits-Wert)Theorie: Delta G

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass das heutige Geld bzw. die heutige unternehmerische Preiskalkulation absolut untauglich als Wertmaßstab ist; eine Kalkulation die genauso wenig brauchbar ist, wie das BIP ein geeigneter Indikator für den Reichtum oder gar den Wohlstand einer Nation darstellt.

Eigenschaft Preismaßstab setzt Eigenschaft Wertmaß voraus (!)

Das Wertmaß wird ja mit jedem etablierten, großflächig umgesetzten Produktions-Standard stetig gedrückt – es wird ständig ein neues, geringeres Wertmaß als Basis genommen. Ein dynamischer Prozess.
Das ist das Problem an der Industrialisierung: Je höher das zur Verfügung stehende Angebot / quantitative Maß einer Ressource, (bei gleicher Nachfrage) desto geringer ihr Preis.
Dadurch tendiert der Wert der Arbeit genauso wie derjenige aller anderer Produktionsmittel / Ressourcen gen Null – bis zum Peak.

Produktionsmittel scheiden als Quelle des „Mehr“ aus (Äquivalententausch), bleibt:
⇒ Arbeitskraft als Quelle des Mehrwerts

Das sehe ich augrund oben geschilderter Dynamik anders.

Die Industrie sollte daher – genauso wie der Bauer auf dem Felde – einen einheitlich-normativen Wertmaßstab heranziehen.

So wie der Bauer lange Zeit von seinem Acker leben musste (und konnte), so wie ein Sack Kartoffel für ihn immer den Wert eines Sack Kartoffels inne hatte (gewohnter, gleicher Arbeitsaufwand – gleicher Ertrag), so muss auch die Industrie – vom ersten Produktions-Schritt an! –  eine konstante Basis zur Bemessung (insbesondere endlicher) Ressourcen zu Grunde legen. Nicht regenerative Ressourcen eher noch im Wert erhöhen, als den Wert künstlich – durch leichteren Zugang und somit temporär-erhöhtem Angebot – zu drücken.Konjunktur-Schwankungen müssen weitgehend verschwinden.Vereinfacht – auf den Punkt gebracht, gefällt mir nicht, dass Marx zwar erkennen mag, was ‚falsch läuft‘ und dies auch bis ins letzte Detail versucht herauszuarbeiten, und dennoch gibt er keinen (konkreten) Lösungs-Ansatz das dazu beiträgt, das ‚Übel‘ / den Mißstand zu beseitigen / überwinden. Zumindeßt ist mir kein solcher bekannt. Marx sieht nur einen systemischen Fehler im Kapital-Bildungs-Prozess, welchen er quasi nicht empfiehlt – einfach hinzunehmen. Die Proletarier sollen ihn nicht dulden, sich nicht ausbeuten lassen.

Aber er sagt doch nicht wirklich, wie genau es besser gemacht werden sollte – er entwickelt keine Alternative, oder?

Das ist jedoch genau der Punkt, auf den ich aus bin. Die systemischen Fehler der Geldwirtschaft und des unternehmerischen Handelns in Zusammenhang mit der Ausbeutung des Bodens, des ‚Humankapitals‘ und daraus hervorgehende autoritäre Beanspruchung der Grundrente ..habe ich denke ich die letzten Jahre hinlänglich gut ins Auge gefasst. Ich will Lösungen dieses Dilemmas – ich will einen utopischen, antroposophen Ansatz fortführen zu entwickeln – ihn operationalisieren & mit ihm experimentieren.

Denn die Geldwirtschaft muss man meiner Meinung nach (vor-)leben, um sie zu etablieren.

Man kann sie nicht nur postulieren & hoffen, jemand greift es vielleicht irgendwann, irgendwo mal auf..Ich will nicht mein ganzes Leben lang nur von einer theoretisch perfekt-konzipierten Ökonomie träumen, die es doch so nie sein bzw. geben wird 🙂


 

 


Zwei Ursachen führen zur Volks-Spaltung und zu einer weiteren – deutsch-nationalen genauso wie globalen – Episode des stetigen Kampfs ‘Gut gegen Böse’:

  • Parallelgesellschaften: Arm und Reich

….

  • der gesellschaftliche Antagonismus:

die kollektive Shizophrenie der bürgerlichen Mittelschicht – eine breite mittelständische Masse versucht den angerichteten Kollektiv-Schaden, welchen sie oft unbewusst in Erfüllung ihrer Dienst-Pflicht im Rahmen ihres Arbeitsvertrages als Konsequenz dieses Handelns in Kauf nimmt, versucht diesen regelmäßig mit oft 40h/Woche oder mehr sich aufstauenden Schaden (allgemeine Kritik), – wenn überhaupt – mit gelegentlichen, gemeinhin sehr rar gesäten Stunden gemeinnütziger Arbeit wettzumachen / entgegen zu wirken. Wirklich effektives Vorgehen / Ankämpfen gegen diese Fehl-Entwicklungen ist jedoch meißt nur unter Aufopferung eines erheblichen Teils der persönlichen Freizeit möglich.

Was gemeinnützige ‚Aspiranten‘ etwa in der Bemühung des Erhalts eines fortgeführten, breiten Bildungs-Niveaus, vor individuelle Hürden oder der Notwendigkeit eines Kompromisses stellt. Was geht vor? Das dienstliche Arbeits-Verhältnis, das Ehrenamt oder die tägliche Bildung, um sich kompetente Urteile (über politische und ökonomische Ereignisse) erlauben zu können?

Entscheidet man sich hier konsequent für das Ehrenamt, müssen für gewöhnlich hohe Anforderungen in Form von konstanten, großzügigen Ressourcen an Zeit und eine gewisse Relaxtheit aufgebracht werden. Dies schränkt ohne sozialen Rückhalt im engeren Sinne – sprich ohne die Einbeziehung des Freundeskreises – die persönliche Freizeitgestaltung mit Freunden massiv ein. So wirkt ein Mißerfolg bzw. Rückschlag des zu schaffen angestrebten Niveaus an gemeinnützigen Ziele, schnell deprimierend und desillussionierend. Ein sich entwickelndes Verständnis für ‚Gutmenschentum‘ und die Auslebung dieses im sozial-ehrenamtlichen Engagement, welches – so scheint mir – besonders unter jüngeren Generationen in urbanen Gebieten und Metropolen vorherrscht, ist leicht verletztlich. Das Verständnis steht und fällt mit dem sichtbaren Erfolg und der gesellschaftlich entgegengebrachten Anerkennung durch Bekannte für das jeweilige Ehrenamt.


Was jedoch nicht unter den Tisch gekehrt werden darf, ist die Tatsache,

dass viele ehrenamtliche Tätigkeiten – gleich einer nicht enden wollenden Sisyphus-Arbeit,

diametral dem Sinn jedes gewerblichen Dienstverhältnisses entgegen stehen

nämlich der Profit-Generierung.

 

 

 

 

Gemeinnützige Zwecke dürfen per Definition keine Gewinne abwerfen. Somit ist der GemeinNutz für das Kapital uninteressant. Und somit spaltet sich der unternehmerische Flügel sukzessive ab von der Gesellschaft. Er ist zum amerikanischen Kapitalismus mutiert, der sich einen Dreck um die Belange des Volkes schert.

Der Gedanke, der durch die Metapher der unsichtbaren Hand getragen wird, der Leitgedanke quasi der durch den schottischen Ökonomen Adam Smith begründeten klassischen National-Ökonomie, den er im Werk „Der Wohlstand der Nationen“ ausdrückt und der auch heute noch die Grundlage der marktliberalen Wirtschaftswissenschaft bildet, ist somit ausgehebelt. Die Vorstellung eines liberalen Marktes, der wie von selbst für eine natürliche Güter-Allokation und Verteilungsgerechtigkeit sorgt, ist längst überholt und hinfällig. Karl Marx hatte dies schon in der Marxistischen Wirtschaftstheorie begriffen und den oberflächlichen Sichtweisen und Inkonsequenzen der klassischen Nationalökonomie mit dem Begriff der „Vulgärökonomie“ brandmarkte. Diese bezeichnet das – aus Marxens‘ Sicht schon damals beschränkte – Alltagswissen der ökonomischen Akteure. Sie entspricht somit deren Standpunkt und beschränktem Gesichtskreis und bleibt dabei in der Betrachtung der wirtschaftlichen Vorgänge an deren Oberfläche und auf niedrigem wissenschaftlichen Niveau.

An diesem Zustand der etabliert-vorherrschenden Vulgärökonomie hat sich seitdem nicht wirklich etwas verändert. Die Profit-Generierung steht nach wie vor im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns. Einzig das marktliberale Dogma spitzte sich in einen marktradikalen Totalitarismus zu. Gleichfalls haben sich die gesellschaftlichen Arbeits- und Rahmenbedingungen sukzessive geändert – und zwar zum Negativen.

Denn genau im Zweck der Erwirtschaftung einer profitablen Rendite liegt der Schlüssel zum gesellschaftlichen Wohlstand begraben – ansonsten könnte man das gesamte Kapitalismus-Konzept komplett über den Haufen werfen!

Indem Teile der Gesellschaft – durch Ausübung vieler Ehrenämter bzw. ehrenamtlicher Arbeit – es dem unternehmerischen Gewerbe ermöglichen, sich von der sozio-gesellschaftlichen Verantwortung zu lösen / abzuspalten, werden genau durch diesen, von der industriellen Produktion gewollten Prozess der bürgerlichen Spaltung in antagonistische Lager bzw. Identitäten, falsche Prämissen für die Volkswirtschaft gesetzt.

Das unternehmerische Gewerbe kann sich – von der komplizenhaften Politik gestützt, welche für die Förderung des allgemeinen Wohls zunehmend die Zivil-Gesellschaft selbst in der Verantwortung sieht – nur noch, ausschließlich der Profit-Generierung ohne soziale Pflichten und reglementierende Grenzen widmen. In der Folge erleben wir ein immer skrupelloser agierendes Unternehmertum – eine immer abstrusere, asoziale (=marktliberale) Wirtschaft – die den Gutmenschen, der noch Rücksicht auf die ökologische wie die soziale Verträglichkeit des Produkts seiner Arbeit nehmen und seine Arbeit aus Überzeugung verrichten mag, immer vehementer abstraft. Die Abstrafung besteht in der Regel natürlich darin, dass viele Arbeitssuchende mit einem intakten ethischen Bewusstsein – welches ein volatiles Moral-Verständnis durch gelungene Erziehung & weitergehende Bildung voraussetzt – von vornherein filtert und aussortiert bzw. die angebotene Stelle mitsamt deren Anforderungen für den emanzipierten Arbeitssuchenden nicht vertretbar sind. Ob dieser die Stelle dann – etwa durch die Prämisse eines ansprechenden Gehalts – trotzdem annimmt, liegt in erster Linie daran, ob der (arbeitsfreie?) Aspirant dringend auf Arbeit angewiesen ist bzw. sich eine Zeitspanne der Entbehrung eines Einkommens zugunsten des Suchens nach einem für ihn besser vertretbaren Job leisten kann.

In einer Demokratie haben nicht nur Alle dieselben Rechte, sondern es haben auch Alle dieselben Pflichten

Es gibt so gut wie keine ehrenamtliche Tätigkeit, die sich nicht auch durch eine bezahlte Tätigkeit ersetzen liese. Hierfür ist nur ein soziales Wohlwollen der staatstragenden und daher in Verantwortung stehenden politischen Akteure nötig. Doch genau an diesem Wohlwollen mangelt es. Dieser Mangel an politisch-getragenem Wohlwollen von und für die gesamte Gesellschaft – also jedes Einzelnen – wird nicht dadurch behoben, dass die Anstrengungen in die ehrenamtliche, gemeinnützige Leistungsbereitschaft intensiviert werden. Und erst recht wird dadurch keine nachhaltig ‚heilere Welt‘ erreicht.

Eine heilere Welt, die nicht vom gewerblichen Profit-Streben getragen und getrieben wird, kann nur durch eine fundamentale Änderung des politischen Kurses – der Agenda der Regierung – hervorgerufen werden.

Denn es ist nicht primär unsere Aufgabe – die Aufgabe des einzelnen Bürgers oder Vereins, sich altruistisch für die Förderung des allgemeinen Wohls einzusetzen. Normalerweise ist das die Aufgabe der Politik / der Staats-Regierung, der den Auftrag des souveränen Volkes umzusetzen hat und nur dafür entlohnt werden darf.

Quo vadis politica?

Veröffentlicht: Februar 14, 2011 in Analyse, Moral & Ethik, PresseFreiheit, VölkerRecht
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Politik bezeichnet meiner Ansicht nach heutzutage in dieser pervertierten Welt nicht länger die parlamentarische Vertretung des souveränen Volkes zur Durchsetzung des mehrheitlichen Willens.

Vielmehr steht Politik – gerade in Deutschland – für die Aufrechterhaltung der  ‚Alamo-Stellung‘ vermögender und dementsprechend einflussreicher, elitärer Zirkel. In der deutschen Politik wird die ganze Macht, die nach dem Grundgesetz vom Volke ausgeht (vgl. Volkssouveränität, Artikel 20 Absatz 2), diesem entrissen und auf perfideste Weise gegen das Volk eingesetzt. Perfide deshalb, da diese grundlegende Umkehrung der Volkssouveränität, ohne dass Wissen des Volkes über die wahren Strippenzieher, den geld-geschwängerten  Hintermännern und elitären Lobbyverbänden der Finanz- und Industrie-Kartelle gesteuert wird.

Gegen den Willen des Volkes gerichtete Politik stellt nichts anderes dar, als ein Verbrechen gegen den Grundsatz / das Diktat der Demokratie. Somit stellt die gegebene bundesDeutsche Politik, die den Willen des Volkes bewusst! falsch auslegt, ihn beugt und mißinterpretiert, stattdessen einzig das Recht und die Ideologie der mächtigsten internationalen Lobbys – mithilfe der Fürsprache korruptester ‚Klientel-Organe‘ (Politiker wie Medienbetriebe) – in letzter Instanz durchzusetzen trachtet, ein Völkerrechts-Verbrechen dar. Ein Verbrechen, das geahndet werden muss.

Bestes aktuelles Beispiel für eine vom Lobbying  – ob bewusst oder un(ter)bewusst – geköderte ‚Söldner-Frau‘ / SöldnerIn, gibt Ursula von der Leyen ab. Man sehe sich blos die aktuelle AnneWill-Sendung zum Thema „Das Hartz-Theater – was bekommt die Politik noch gebacken?“ an. Frappierend, wie sie immer wieder vorhandene Vorurteile und Ängste in der Gesellschaft berechnend auszunutzen versucht.

Gegen diese bornierte ‚Sklaventreiber-Mentalität‘, die vonderLeyen hier auf Gedeih und Verderb durchdrücken und zu rechtfertigen versucht, war ‚Zensursula“ noch eine sanfte Brise. Was sich hier nicht mehr verbergen lässt und ungeschminkt zu Tage tritt, sind intolerante, autoritäre Züge – die keinen Widerspruch dulden mögen. Der nächste (Staats-)Faschismus lässt grüßen.

Doch ein Umschwung in der meinungsprägenden Medien-Landschaft wirft seine langen Schatten voraus:

Zum Einen haben die Journalisten ihr Meinungsmonopol verloren. Sie sind nicht mehr die Einzigen, die Meinung machen. Die politische Blogosphäre mag eine relativ kleine und intellektuell inzestiöse Community sein, in der sich viele Freigeister und Irrlichter tummeln – aber die Mission der NachDenkSeiten eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, denen in diesem Prozess eine deutlich unterschätzte Rolle zukommt, war weitgehend erfolgreich.

Stefan Sasse

Was sich hier seid Langem ankündigt (quasi eine APO 2.0 – AußerParlamentarische Opposition), wird genauso in einem Aufstand einer anfänglichen Minorität gegen das System münden, wie ihn die gottesfürchtigen, gläubigen Menschen in denjenigen arabischen Staaten, deren Glaube und Selbstwertgefühl über Generationen hinweg unterdrückt wurde, nun erleben. Es fehlt nur noch der zündende Funke, der den Flächenbrand entfacht. (ok, die Formulierung [Anspielung] ist zugegebenermaßen im Anbetracht der Geschichte, recht vulgär ^_^)

Übrigens: Von den 187 texanischen Verteidigern Alamos überlebten nur sechs die Belagerung. ‚Remember the Alamo!‘


Gleichnis / Anektode aus ‚commonwealth‘ (Hardt, Negri) Teil V – Jenseits des Kapitals? – 3. Vorbeben an den Bruchlinien:

Eines Tages sucht Monsieur Le Capital, weil er sich krank fühlt, Doktor Subtilis auf und bekennt, das er jede Nacht von einem immer wiederkehrenden Traum heimgesucht wird. In diesem Traum, so erklärt Monsieur Le Capital, steht er vor einem Baum voll reifer Früchte, die in der Sonne leuchten, aber in seinen Armen hat er Arthritis und er kann sie nicht hoch genug heben, um an die untersten Zweige zu gelangen. Er hat bohrenden Hunger, kann aber die köstlichen Früchte vor seinen Augen nur betrachten. Schließlich bekommt er mit großer Mühe eine der Früchte zu fassen, doch plötzlich merkt er mit Schrecken, dass er den verschrumpelten Kopf eines Toten in Händen hält.

„Bitte sagen sie mir, Doktor, was das zu bedeuten hat.“ – „Ihr Problem“, antwortet Doktor Subtilis, „Ist nicht nur ein gestörtes Bewusstsein, sondern auch ein gepeinigter Körper. Im Zeitalter biopolitischer Produktion löst sich die traditionelle Trennung zwischen Subjekten und Objekten auf. Die Subjekte produzieren keine Objekte mehr, die anschließend wiederum Subjekte reproduzieren. Das, was Sie da mit Händen zu greifen versuchen, Monsieur Le Capital, das ist die Subjektivität selbst. Aber wenn Ihre Hände die Produktion von Subjektivität zu fassen bekommen, zerstören Sie damit paradoxerweise, ja, tragischerweise das Gemeinsame und verderben den Prozess, weil Sie die Produktivkräfte welken lassen.“

Monsieur Le Capital ist angesichts dieser Diagnose natürlich völlig verstört, bittet den Arzt aber gleichwohl mit Nachdruck um ein Medikament. Nun, überlegt Doktor Subtilis, die alten Arzneien privater und staatlicher Kontrolle, nämlich der Neoliberalismus und sozialdemokratische Strategien, machen die Sache nur noch schlimmer. Nach langem Überlegen antwortet er schließlich kryptisch: „Ich kann Ihnen nur eines raten, Monsieur Le Capital: Berühren Sie die Frucht nicht!“  (mehr …)