„Astroturfing“

Veröffentlicht: Juni 17, 2010 in Definitionen, Medien-Kompetenz

Das sagt wikipedia zu diesem Phänomen eines „techno-publizistischen“ Angriffs auf die Medien-Kompetenz:

Der Begriff Astroturfing bezeichnet – insbesondere im amerikanischen Sprachraum – Public-Relations- und kommerzielle Werbeprojekte, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen. Ziel ist dabei, den Anschein einer unabhängigen öffentlichen Meinungsäußerung über Politiker, politische Gruppen, Produkte, Dienstleistungen, Ereignisse usw. zu erwecken, indem das Verhalten vieler verschiedener und geographisch getrennter Einzelpersonen zentral gesteuert wird.

Etymologie
Der Begriff ist ein Wortspiel mit dem Ausdruck „Graswurzelbewegung“, der wirklich spontane, in erster Linie von Privatpersonen (und nicht Politikern, Regierungen, Konzernen oder Public-Relations-Firmen) getragene Initiativen bezeichnet. AstroTurf ist hingegen ein Markenname für hellgrünen Kunstrasen, wie er in manchen Sportstadien Verwendung findet – „Astroturfing“ ist mithin nichts anderes als eine künstliche Graswurzelbewegung.

Methoden

Wie die meisten Formen von Propaganda versucht kommerzielles Astroturfing, die Emotionen der Öffentlichkeit gezielt zu beeinflussen. Die meisten bekannt gewordenen Fälle von Astroturfing stammen aus dem Bereich der Politik.
Die übliche Methode besteht dabei darin, dass sich wenige Personen als große Zahl von Aktivisten ausgeben, die für eine bestimmte Sache eintreten. Sie verschaffen sich Aufmerksamkeit, indem sie beispielsweise Leserbriefe und E-Mails schreiben, Blogeinträge verfassen, Crossposts verbreiten oder Trackbacks setzen. Sie erhalten Anweisungen darüber, welche Meinungen sie wann und wo äußern sollen und wie sie dafür sorgen können, dass ihre Empörung oder Anerkennung, ihre Freude oder ihre Wut vollkommen spontan und unbeeinflusst erscheint, so dass die zentral gesteuerte Kampagne den Eindruck „echter“ Gefühle und Anliegen hinterlässt. Oftmals werden Lokalzeitungen Opfer von Astroturfing, indem sie Leserbriefe veröffentlichen, die mit identischem Inhalt auch an andere Zeitungen gesandt wurden.
Die Kosten von Astroturfingkampagnen sind durch die Effizienz von Internet und E-Mail stark gesunken.

Sehr interessant, nicht wahr?

Besonders, wenn man  dies in Verbindung mit Kampagnen-Journalismus bringt.

Wie sie etwa Albrecht Müller (Nachdenkseiten) in seinem Buch „Meinungsmache“ beschreibt:

Meinungsmache zur Sicherung von Macht und Einfluss

Wahlergebnisse, Koalitionen und innerpolitische Entwicklungen nehmen wir vor allem als Folgen des Verhaltens von Parteipolitikern wahr, als Resultate ihrer Erfolge und Misserfolge, ihrer Leistungen und Fehlleistungen. Wenn es einer Partei bei Umfragen schlecht geht, suchen wir nach objektiven Gründen dafür. Und wenn das Ansehen des  Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin und des Außenministers steigt, folgern wir daraus, dass dies ein Spiegelbild ihrer Leistung sein müsse.

Dabei gilt gerade in Bezug auf das Ansehen von Parteien und der in den  Parteien tätigen Spitzenpolitiker, dass der Einfluss der Meinugsmache extrem hoch ist. Meinungsmache beeinflusst das Ergebnis von Umfragen zur Parteipräferenz und zur Beliebtheit von Politikern, und sie beeinflusst die Chancen bei Wahlen. Meinungsmache beeinflusst aber auch die innere Willensbildung der Parteien sowohl in programmatischer und strategischer Hinsicht als auch bei der Personalauswahl. Und nicht zuletzt bestimmt Meinungsmache wesentlich, welche Koalitionsoptionen die Parteien haben.

Beispiel: Die Stigmatisierung der Linkspartei

Auch heute hat die Stigmatisierung einer politischen Gruppierung zur Folge, dass ihre Wählerinnen und Wähler und die gewählten Abgeordneten bei der Entscheidung über mögliche Koalitionen außen vor bleiben. (siehe die rigoros verfehlte bzw. nicht existente NRW-Regierungs-Bildung Anm. d. Autors, wie alle weiteren Klammern) Diesem Umstand verdankt Roland Koch die Fortdauer seiner Macht in Hessen. (OK, den sind wir vorerst los^^) Und diesem Umstand „verdankt“ seine Gegenkandidatin Andrea Ypsilanti, dass sie in Hessen die rechnerisch mögliche Koalition aus SPD, Grünen und der Linken nicht bilden durfte. (vgl. Hannelore Kraft / NRW) Aus neutraler Warte betrachtet, hat die Linke keinesfalls soviel „verbrochen“ wie der weiterregierende Roland Koch. […] Sie (Künast & Trittin / Grüne) beriefen sich dabei (beim Disput um Ampelkoalition) auf „die Realität“, also auf die inzwischen üblich gewordene Nichtberücksichtigung der Linkspartei bei einer potentiellen KoalitionsBildung.

Über Personal-Entscheidungen bestimmt die Meinungsmache

(So verwundert es auch nicht wirklich, dass für den Spitzenkandidaten der SPD – Joachim Gauck – massiv Astroturfing betrieben wird, wie der Spiegelfechter es auf seinem blog treffend recherchiert und zielsicher auf den Punkt gebracht hat.)

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