Freeman Interview zur medialen Bericht-Erstattung bei Radio Utopie

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 in PresseFreiheit

Folgender Ausschnitt aus dem Interview zwischen dem Interviewer Daniel Neun (Radio Utopie) & dem Interviewten Manfred Petritsch (freeman vom ASR-blog):

hier der download des audiostreams.

freeman: Das ist ja gerade das Problem, der Mainstream-Medien, dass die ja überhaupt nicht emotional reagieren. Das heißt also, wenn irgendwo en Krieg passiert, oder was immer – dann tun die das alles so neutral darstellen und man darf keine Gefühle zeigen oder Ablehnung oder so Sachen. Die bringen das vielleicht und dann gehen sie schon wieder zum nächsten Thema über. Und ich fühle, dass das, was wir eigentlich als Menschen (empfinden) sollten wir das ausdrücken, was uns nicht passt. Oder Ungerechtigkeit, wenn auf der Welt passiert, dass man das schon ausdrücken muss. Es passiert mir viel zu wenig. Es kommt mir vor, als ob alle unter Valium stehen.

RU: Sich selbst das Recht raus zu nehmen, über eine Mehrheit zu urteilen – das ist ja eigentlich die Freiheit des Individuums. Das man sich selbst das Urteil anmaßt: „Hallo, diese Mehrheit liegt in ihrer eigenen Einschätzung gerade falsch.“

freeman: Diese Kritik (am Establishment / an der Mehrheit) findet ja heute praktisch nicht statt. Ich meine der heutige Journalismus, den die Mainstream-Medien machen ist – ich nenne den „copy-paste“ -Journalismus. Die tun wenn sie jeden Tag reinkommen, einfach kopieren und in ihre Zeitung klatschen….Es nimmt auch eine Zeitung nicht Stellung. Das sieht man aber in anderen Medien schon  z.B. gerade die britischen Medien, die stellen sich schon in die eine oder andere Richtung und tun sich für etwas engagieren. Das sieht man in den deutschen Medien nicht.

RU: Hat das nicht auch mit den NachrichtenAgenturen zu tun. Also mit den kommerziellen, durch wenige Leute kontrollierten Nachrichtenagenturen, die ja eine ähnlich hohe Bedeutung haben, wie die Rating-Agenturen für die Finanz-Industrie?

freeman: Natürlich, es gibt da diese fünf Nachrichten-Agenturen, die füllen die Pipeline mit Informationen und diese Pipeline geht dann zu allen Medien. Ob das nun Zeitung oder Fernsehen ist. Und die übernehmen das alles. Ich weiß ja wie ne Zeitung funktioniert. Die übernehmen einfach die Nachrichten aus den Agenturen – 1 zu 1 – und klatschen das alles rein. Also ich seh da überhaupt keine Eigenleistung, die die eigentlich erbringen. Früher gab es ja mal einen investigativen Journalismus. Den gibts ja schon lange nicht mehr. Der findet ja gar nicht mehr statt. Und ich glaube der Hauptgrund ist einerseits Kosten-Einsparung. Die Redaktionen werden ja so runter-rationalisiert, das also nur noch das übrig bleibt.

RU: Ist das Strategie oder ist das Zufall?

freeman: Das ist natürlich auch Strategie, weil wenn ich oben die paar Nachrichten-Agenturen kontrolliere und guckt wenn die hören, dann weiß mans ja. Damit steuere ich eigentlich alles, ja. Weil dann habe ich den Hahn auf den Informationen und kann steuern, was da durchgeht, durch diese Pipeline und was am anderen Ende rauskommt. Also ich muss ja gar nicht die Medien an sich kontrollieren, sondern ich muss ja nur den Fluss am Anfang in die Informations-Pipeline kontrollieren. So läuft das ja – weil ich weiß, dass ja eh alle nur abschreiben. Und so wird das ja, wenn man so will, indirekt gesteuert. Dazu kommt noch die Selbstzensur. Also viele Journalisten haben mir ja gesagt, es muss ihnen ja gar keiner sagen, was sie machen sollen. Das wissen sie selber, denn wenn sie gewisse Themen – die tabu sind – anfassen, dann haben sie keinen Job mehr. Das wissen sie selber. Und dann werden ab und zu Example statuiert, von Leuten die sich einmal raus gewagt haben, die werden entsprechend abgesägt und dann weiß der Rest, was zu tun ist.

RU: Wie siehst du die Presselandschaft in der Schweiz? Siehst du da ne Zeitung aus der gängigen Informations-Industrie, die diesen Clichees nicht entspricht und gut recherchiert sich investigativen Journalismus leistet und auch mal gegen den Mainstream anschreibt?

freeman: Kaum. Also es ist so. Generell in der Schweiz berichten die Medien schon besser als in Deutschland. Also Deutschland ist ja wirklich das „Tal der Ahnungslosen“, wenn man so will. Die schweizer Medien berichten schon offener – einfach deswegen, weil dieser ganze sogenannte „Vergangenheits-Scheiss“ ihnen nicht anhängt. Aber trotzdem, es findet hier auch eine Konzentrierung statt, ein Medienhaus kontrolliert immer mehr Zeitungen. Das kommt einfach dadurch, dass es Zusammenschlüsse gibt usw.

Morgen hör ich mir das Interview fertig an und zitier oder kommentier vielleicht auch noch weng was dazu (aber nur wenn ich Zeit finde und schlechtes Wetter ist..:)

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