Flattr und der Bayern-München Effekt..

Veröffentlicht: Mai 30, 2010 in Kommerz

Es handelt sich wieder mal um einen kommerziellen Dienst. Anders ist ein solches Projekt wohl kaum zu finanzieren – es beginnt mit finanziell solventen Investoren und es kommt auch diesen zu Gute. Sobald sich ein social micro-payment system erst einmal etabliert und dessen Wert ums 10-fache gestiegen ist, droht ihm dasselbe Schicksal wie anderen erfolgreichen, anfangs nicht oder nur bedingt kostenlosen (sozialen) Projekten – siehe facebook & co …es wird ausverkauft / ausgeschlachtet und kommerzialisiert bis zum Geht-nicht-Mehr. Dann haben wir wieder mal den „Bayern-München“-Effekt!

Hatten wir heute in ner Vorlesung auch wieder, die Möchtegern Finanz-Analysten in unserm MedienManagement Studium haben Borussia Dortmund (BvB) analysiert bzw. deren Börsengang. Die internationale Konkurrenz sei ja soo groß und es sei freie Marktwirtschaft – die kleinen Vereine haben eben Pech, wenn sie finanziell schlecht aufgestellt sind und insolvent werden bzw. nicht mit den „Großen“ – internationalen „Sellout“-Vereinen mithalten können! Es wird überall knallhart kalkuliert – selbst wenn der FC Bayern im Geld schwimmt, dass er aus Einnahmen einer ganz anderen Liga… nicht nur der Bundesliga sondern ja auch dieser weltweiten Cups etc., die durch den Dachverband FIFA ohne Limits vermarktet werden und wo für die erfolgreichen Vereine das große Geld winkt.

Diesen Bayern München – Effekt kann man überall beobachten, wo die Verbände / potentielle Regulierungs-Behörden nicht eingreifen… was darunter leidet ist doch immer der Nutzen aller, also Nutzen – der der ganzen Gesellschaft (Unterhaltung beim Fußball..) oder eben der entsprechenden Branche als Ganzes zu Gute kommen könnte. Je mehr Mitspieler ein Markt hat, desto mehr sollten doch auch vom Markt profitieren können – dieser sozial-liberale Leitgedanke wird aber systematisch vom Kapital zu Nichte gemacht. Sobald sich ein gut aufgestellter Markt-Teilnehmer – und sei es nur in einer saisonalen Phase – als überlegen erweist und sich vom Rest des Feldes absetzen kann, wird fast ausschließlich nur noch auf eben dieses „Pferd“ gesetzt. Dadurch gerät der Markt immer mehr in Schief-Lage – Führungs-Positionen werden abgesichert, den Markt-Neulingen der Einstieg erschwert und die Schwachen am Markt aufgekauft, wo sie nicht als „Prügelknaben“ herhalten müssen.

Innovation bleibt in diesen „Markt-Oligarchien“ – spätestens dann, wenn es zu (Preis-) Absprachen kommt – natürlich auch auf der Strecke, das kann man ja auf genügend Märkten feststellen. 3xVerflixter Herdentrieb des Kapitals..

Hierzu der fachkundige Kommentar eines guten Freundes:

Sieht auf den ersten Blick gut aus, aber kann man Flattr auf Dauer trauen? Wie transparent ist Flattr, wer steckt am Ende wirklich hinter Flattr? Wird Flattr am Ende für x Millionen nur aufgekauft um dann in die falschen Hände zu geraten? Bei Facebook wissen wir ja inzwischen, dass da die Geheimdienste ganz dick die Finger drin haben.

Man stelle sich vor, dass diese „Klicks“ nun registriert sind und damit derjenige, der Flattr in die Hände bekommt ein genaues Profil aller Flattr-User erstellen könnte. Also in etwa so: Diesen Artikel fand diese Person X gut, sellen Artikel auch, demzufolge ist er politisch … ausgerichtet. Er besucht bevorzugt alle diese Websites. Man kann damit also hervorragende Analysen über die Blogosphäre erstellen.

Ich sehe immer wieder, dass eine rechtliche oder zahlungstechnische Angelegenheit oberflächlich dazu missbraucht wird um sich die darunter liegenden Logs und damit Profile und Analyse der Usergewohnheit „mit einzusacken“. Gutes Beispiel ist die Telefonie. Damals sagte man uns, man müsse alle Telefonate aufzeichnen als Abrechnungsnachweis wegen der Rechnung. Da ging noch alles nach Minuten. Heute haben wir fast durchgängig deutschlandweite Flatrates. Also müssten deutsche Telefonate gar nicht mehr protokolliert werden wenn es nur um die Abrechnung ginge.

Ich denke, dass dieses Konzept nur dann was wird, wenn dahinter

+ Transparenz und Datenschutz „aus dem Volk“ von vornherein mit eingebaut wird.

+ Wenn primär „das Volk“ über einen Verkauf dieses Systems entscheidet und damit Vetorecht hat, dass es nicht zu einer feindlichen Übernahme kommt.

Wenn solche grundlegenden Dinge in der Architektur nicht von vornherein mit eingebaut werden, dann sehe ich dies eher als ein trojanisches Pferd.

Wir werden sehen, wie sich flattr entwickelt und ob man Bloggern wie auch gönnerhaften „Blogger-Liebhabern“ diesen Dienst bedingungslos weiter-empfehlen kann.

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