Hut ab vor Herrn Ackermann

Veröffentlicht: Mai 14, 2010 in Initiative

..Respekt dafür, dass er gestern in der Maybrit Illner Sendung „Retten wir den Euro oder die Spekulanten, Herr Ackermann?“, angesichts heftiger Vorwürfe von Seiten der breiten Öffentlichkeit aber auch einiger wirklich nicht ganz zu ignorierenden Gruppe von Politikern oder selbst des Medien-Monguls und Groß-Investor Warren Buffet („Massenvernichtungswaffe der Banken“) – trotzdem noch in der Lage war, sich selbst und die Deutsche Bank Lobby, relativ gut und unbeschadet zu repräsentieren. Verkauft wurde von ihm wieder einmal der „freie“ Markt – im Neusprech gern „The American way of life“ bezeichnet – als Legitimations-Grundlage für Alles.

Mr "Victory"

‚Leider‘ sind ihm einige kleine, jedoch nicht zu überhörende ‚Fehler‘ unterlaufen – nobody’s perfect:

Doch erst der Video-Beitrag zur historischen Parallele des Griechenland-Bailouts:

„September 1988. Proteste bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Berlin. Seit Jahren schwelt eine globale Schuldenkrise. … Der damalige Vorstandschef der Deutschen Bank – Alfred Herrhausen – macht einen revolutionären Vorschlag, einen teilweisen Schulden-Erlass für die betroffenen Länder.

‚Von Anbeginn an gab es … zwei mögliche Opfer der Krise: Die Gläubiger-Banken und die Schuldner. Die gibt es immer noch. Aber die Stärke der Banken ist größer, die der Schuldner geringer.‘

Forderungsverzicht, welch Tabu-Bruch. Beifall der Schuldner-Länder, wütende Proteste seiner Bank-Kollegen, doch Herrhausen lässt sich nicht beirren. Es handele sich um eine dauerhafte Zahlungs-Unfähigkeit. Diese kann nicht durch eine Erhöhung der Schulden gelöst werden.

1989 wird Alfred Herrhausen von Terroristen ermordet. ..“

Maybrit Illner: „Herr Ackermann, sie sind auch Chef des internationalen Banken-Verbandes. Hätten sie eine solche Forderung nicht einfach stellen können an all ihre Kollegen, die richtig sauber aus dieser Krise herausgekommen sind?“

Josef Ackermann: „Also ich glaube es wäre mir genauso ergangen, wie Herrn Herrhausen.“

Sollte diese Aussage eine Anspielung auf den Anschlag auf Alfred Herrhausen darstellen? Eine indirekte Einräumung der Unfähigkeit Ackermanns, anders zu handeln, als er es in der Vergangenheit getan hat und weiterhin tun wird?

Josef Ackermann unfähig zur Abkehr vom Neo-Liberalismus?

Diesbezüglich interessant, das Selbstbezichtungsschreiben der Rote Arme Fraktion (RAF) zum Tode Dr. Alfred Herrhausens schien laut dem Artikel Herrhausen-Attentat von Udo Schulze inhaltlich so gar nicht zur RAF zu passen. Vielmehr bekommen wir dort eine Vermutung der Witwe Herrhausens zu lesen, die das Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) in dem Mord an ihrem Mann verwickelt sieht.

„Den unbequemen Fragen und Spuren (zur Ermordung des mächtigsten deutschen Bänkers) weicht man auf Seiten der Behörden allerdings aus, wo es nur möglich ist.“

Bei den ominösen Sicherheitsleuten zum Schutze Herrhausens soll es sich weiterhin um Angehörige des Werkschutzes der Deutschen Bank gehandelt haben, von denen u.a. „einer der Personenschützer kurz nach dem Attentat auf fragwürdige Art und Weise aus dem Leben schied.“

Um den Esel beim Namen zu nennen – ich gehe davon aus, dass Josef Ackermann in seiner Rolle als Chef der Deutschen Bank und Präsident des Internationalen Bankenverbands IIF, sich gewissen Interessen mächtiger Hintermänner verpflichtet fühlt –

und dass er von daher – rein schon aus einem angeborenen ‚human-evolutionären Tribal-Instinkt‘ des festen Überlebens-Willens heraus – unter keinen Umständen von der neo-liberalen Finanz-Politik, für die die Deutsche Bank schon immer unter der Leitung Ackermanns eintrat, Abstand zu nehmen in der Lage ist.

Die scheinbare Shizophrenie des Banken-Vorstandes

Nun aber zu den unverrückbaren Widersprüchen Ackermann’s – neben einigen belustigenden Aussagen (input), kam es zu folgenden, gravierenden Einstellungs-Widersprüchen:

Auf Illner’s -Frage zum Verbot vom Handel mit Kredit-Ausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps / CDS) antwortet Ackermann:

Wäre eine Katastrophe. Das heißt die Anleger wären nicht mehr bereit gewisse Risiken zu nehmen.

Staaten haben größte Mühe sich zu refinanzieren – auch Unternehmen hätten Mühe zur Refinanzierung, müßten wesentlich höhere Preise zahlen. Das dient dazu, dass man Preise richtig erkennt, dass man auch Zukunftserwartungen einpreisen kann und dass man natürlich auch Risiken stärker weltweit reduzieren kann und das ist sicher etwas Positives.“

Die Anschluss-Frage – Illner: „Pflicht für die Banken zur Erhöhung des Eigenkapitals? Da sagen sie schon, das würde richtig weh tun.“

Ackermann: „Aber da bin ich sehr dafür…das mehr Kapital heißt auch, dass man mehr Schwierigkeiten hat Kredite zu geben und das natürlich gerade jetzt in einer sehr fragilen Umwelt-Situation im konjunkturellen Bereich vielleicht nicht ganz die richtige Botschaft. Aber absolut dafür, dass wir mehr Kapital im System halten.“

Diese zwei verlautbarten Einstellungen widersprechen sich meinem Wissen nach massiv.

So schnüren die Banken doch gezielt ihre angehäuften – auch unsicheren – Kredit-Forderungen ihrer Kredit-Derivate zu handelbaren Wertpapier-Paketen zusammen. Durch einen Kreditausfall- Tausch / CDS, worunter man sich eine Art Versicherungsvertrag vorzustellen hat, bei dem ein Wirtschaftsteilnehmer den anderen dafür bezahlt, dass er im Schadensfall eine Garantieleistung übernimmt. Der Schadensfall ist hier die Zahlungsunfähigkeit von Kreditnehmern.1

Jene angehäuften – teilweise uneinbringbaren, weil faulen – Kredit-Forderungen werden also in sogenannte forderungsbesicherte Wertpapiere ‚umgewandelt‘ bzw. umdefiniert und können durch eine CDO-Vereinbarung weitervermarktet werden.

Bei einer Kredit-Ausfall-Versicherung / CDO behält die Bank die Kredite einschließlich Zinseinnahmen, bezahlt die Investoren der Kredit-Ausfall-Versicherung / CDO aber dafür, dass diese ihr das Risiko von Zahlungsausfällen abnehmen. Je nach Ausfallrisiko werden diese mit den „Tranchen“-Prädikaten „senior“ (gering, ca. 6% Rendite) „mezzanine“ (mittleres Ausfallrisiko, ca. 8%) und „equity“ oder „junior“ (hohes Ausfallrisiko -zugleich lukrativst / Rendite > 20%) versehen.

Tatsächlich gekauft werden mit dem Geld dieser Anleger dann in der Regel Staatsanleihen, wobei die regelmäßigen Überweisungen der Bank, mit denen sie für den Kredit-Ausfall Tausch / CDS zahlt, die Anlagen-Rendite / Profit erhöhen. Werden Kredite faul, bluten die Inhaber der Kredit-Ausfall-Versicherung / CDO.

„Gekauft wurden die CDOs / Versicherungen allerdings indirekt auch von den Banken selbst, die sie ja ursprünglich kreiert hatten, um ihre Kredite loszuwerden. Die Banken bedienten sich dafür sogenannter Structured Investment Vehicles (SIV)“ – vielleicht eher als Conduit oder einfach unter der Bezeichnung Zweckgesellschaft bekannt. „Der spezielle Zweck dieser Zweckgesellschaften bestan darin, die Baseler Eigenkapital-Regeln zu umgehen.“

„Der Unterschied zwischen einer Bank und einem Bank Conduit besteht allerdings darin, dass letzterer sich seine Liquidität über Kapitalmarktpapiere mit kurzer Laufzeit beschafft statt über Spareinlagen. Dieser kleine Unterschied hat eine wichtige Konsequenz: die Baseler Eigenkapital-Bestimmungen gelten zwar für die Banken, nicht aber für ihre Zweckgesellschaften.“2

Schließlich werden die Pakete – die als senior abgestempelten mit ansehnlichem Gewinn – in Form einer Buchung aus den Guthaben (Aktiva) Bilanzbuch-Einträgen heraus und durch den erzielten Erlös gegen-gebucht, der von mehr oder weniger risikofreudigen Fremd-Investoren stammt.

Aus Mist mach Gold“

Demnach schaffen sich die Banken also so wieder – trotz einer maximalen Geld-Neuschöpfung, welche dem 50-fachen der eigenen gegebenen Liquiditäts-Reserven entspricht, Raum für weitere Kredit-Neuschöpfungen auf Basis der transparenten Einhaltung der bei der Bundesbank bzw. der EZB kapitalisierten Mindeßt-Reserve von lächerlich geringen zwei Prozent aller privaten Spareinlagen (Währungs-Reserven von 50 Milliarden Euro) – ohne für Kredit-Ausfälle gerade stehen oder ihre Liquiditäts-Reserven erhöhen zu müssen!

Theoretisch müßten ja bekanntlich nicht mal 5% – also statistisch jeder zwanzigste durchschnittlich monetarisierte Bürger – zeitgleich seine Spar-Guthaben vollständig dem Zugriff der Banken entziehen / sich auszahlen lassen – und das (europäische) Geld-System würde wohl kollabieren.

Wenn Ackermann also einerseits den Banken die Grundlage für sämtliche toxische Kasino-Aktivitäten offenhalten will sowie in ihrem Namen das ungehemmte, bewusste Irreführen auch unprofessioneller (öffentlicher) Bedürftiger, quasi ohne Moral und Ethik weiterhin verteidigt – ja sogar noch die Dreistigkeit besitzt, die Öffentlichkeit durch eine verquere, prä-konventionelle Schein-Legitimation deren üblen Treibens missionieren zu wollen – und andererseits die Erhöhung der Mindeßt-KapitalEinlage der Banken propagiert, um „mehr Kapital im System zu halten“, spricht er mit gespaltener Zunge.

Auf diese Weise können Banken weiterhin die profitable Vermittler-Rolle der Wucherer innehalten. Eine wirklichen, wegweisenden Fortschritt raus aus dem Mandrake-Mechanismus3 wird Herr Ackermann wohl nie in Betracht ziehen, selbst wenn er Kenntnis darüber besitzen sollte. Seine millionen-schweren Boni-Zahlungen erhält er ja schließlich nicht für einen Posten als Wohltäter und Welt-Verbesserer. Kapital wird immer nur nach Einem streben: Mehr Kapital. Sollte der Vorstand deutscher Kapital-Schacherer also freiwillig auf einen Einlagen-Erhöhungs-Deal der Banken hinarbeiten, ist davon auszugehen, dass er dies nicht aus einer spontanen Einsicht / Erleuchtung zur Amputation und Genesung der sich bandwurm-artig ausbreitenden, kontinuierlich destabilisierenden Komponente der dem FIAT-FinanzMonopoly immanenten Herauskristallisierung einer nicht vertretbaren Anhäufung von Vermögen in den Händen der Mächtigen zu Lasten der Masse der (gebrochenen) Verlierer heraus, sondern im ökonomisch-kalkulierten Interesse der großen Lobby der Finanzhäuser bewerkstelligt.

Aus Ackermanns zwielichtigen, gegeneinander stehenden Stellungnahmen bezüglich der anzustrebenden Restriktionen des Banken-Geschäfts-Spielraums, welcher die praktische Buchführung und somit unmittelbar die Geldpolitik der Banken beeinflusst, ergibt sich somit entweder ein gespaltenes, geradezu toxisches Handlungs-Bewusstsein (was ich aufgrund des ansonsten recht hohen Niveaus der Antworten / des IQ’s Ackermanns – wie mein subjektiver Eindruck seines Auftritts mir vermittelte – für weniger wahrscheinlich halte) oder aber eine bewusste Manipulations-Absicht der Zuschauer, die Josef Ackermanns eigenes, wahres Gesicht gleichbedeutend mit den wirklichen Absichten der Bänker-Elite lediglich hinter einem aufgesetzten, kooperativ-wirkenden Schein-Bild zu verbergen sucht. Der diesertage noch in der Form eines lächelnden Acker-Männleins zur Schau stellende Hexenmeister kann seine Tarnung jedoch auch jederzeit auffliegen – seine übergestülpte Maske fallen lassen und seine ungestüme, grimassen-schneidende Fratze offenbaren.

1 Sahra Wagenknecht „Wahnsinn mit Methode“ S. 46

2Sahra Wagenknecht „Wahnsinn mit Methode“ S. 49

3
G. Edward Griffin – „Die Kreatur von Jekyll Island“

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