Manager protestieren gegen Gehalts-Begrenzungen

Veröffentlicht: Mai 22, 2009 in Moral & Ethik

22.05.2009

Die Spitzen der deutschen Wirtschaft haben in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen die von der Bundesregierung geplante Begrenzung von Manager-Gehältern protestiert. Das „Handelsblatt“ berichtet, dass der Brief von 12 Aufsichtsrats-Vorsitzenden großer deutscher Unternehmen wie Siemens, BMW, Henkel, E.ON, BASF und anderen verfasst worden sei. Darin heißt es, dass die Diskussion über Managergehälter ein falsches Bild der Verantwortungsträger in der Wirtschaft aufzeige. Außerdem sollten unternehmerische Entscheidungen nicht wie Vorstandsverträge bis ins Detail verrechtlicht werden. Die 12 Unterzeichner des Briefes verlangen von Merkel einen Verzicht oder aber wenigstens eine Revision der Pläne zur Begrenzung der Managergehälter.


Anmerkung: So eine Reaktion der Manager war zwar vorhersehbar, aber trotzdem eine Dreistigkeit – wie organisiert und vor allem hinter dem Rücken der Öffentlichkeit sich diese Lobby deutscher Spitzen-Manager scheinbar selbstverständlich gegen staatlich ausgehandelte Regelungen zur Wehr setzt. Und das mit einer „Petition“ direkt an die Spitze der Macht, unserer Kanzlerin Frau Merkel.

..Diskussion über Managergehälter ein falsches Bild der Verantwortungsträger in der Wirtschaft aufzeige.

Was bitteschön ist an dem aufgezeigten Bild eines über alle Maßen abkassierenden Managers denn falsch? Es entspricht lediglich der Wahrheit. Gut möglich, dass die Herren Manager sich der Worte des werten Herrn Ackermann erinnert haben:

Dies ist das einzige Land, wo diejenigen, die Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen.

Hier blieb die Antwort auf die ungestellte Frage nach den (von Managern) geschaffenen (Real-)Werten ebenso misteriös wie die offenbar völlig verkannte Absicht der ökonomischen Verantwortungsträger. Sie wollen doch nur Werte schaffen, auf die man bauen kann.^^

Durch wen werden denn regelmäßig die Realwerte, denen Deutschland seinen Titel „globaler Waren-Exportmeister“ verdankt, geschaffen? Doch nicht durch 50 klagende Führungskräfte. Haben diese im Schweiße ihres Angesichts die unzähligen exportierten Mercedes-Benz PKW`s der S-Klasse produziert? Oder die BMW Z4? Nein! Natürlich nicht! Exportierte Waren im Wert von 56 Milliarden Euro (2006) haben die deutschen Angestellten und IndustrieArbeiter durch ihre bemerkenswerte ArbeitsMoral und Gründlichkeit ermöglicht.

Bei einer Neuverschuldung des Bundeshaushalts von 47,5 Milliarden Euro kann es sich der deutsche RechtsStaat nicht leisten seine soziale Aufgabe zu Gunsten der freien Marktwirtschaft weiterhin so zu vernachlässigen wie bisher. Es kann nicht angehen, dass zukünftige Generationen hart arbeitender deutscher Steuerzahler herangezogen werden sollen, um für die – mitunter durch die Globalisierung jener Global Player (z.B. durch Subventions-Zahlungen, finanzielle Anreize) entstandene – Staatsverschuldung zu bürgen. Diese institutionellen Führungskräfte, die halfen wirtschaftliche Interessen der privaten Firmen-Besitzer sowie der Shareholder gegen den Staat – also gegen die Gesellschaft durchzusetzen, bestehen nun also auf die ungekürzte Auszahlung ihres „Schmiergeldes“ durch die großkapitalistischen Globalisierungs-Gewinner.

Bei der Postkutsche war 1812 das Schmiergeld eine feste Gebühr von 12 Kreuzern, die jeder Fahrgast zahlen musste. Wenn man die Achsen nicht regelmäßig schmierte, fraßen sich die Räder fest und es gab kein Fortkommen. Die Wartung musste an jeder Poststation vorgenommen werden. Dafür war die Gebühr fällig. Der Postillon erhielt zusätzlich ein festgesetztes Trinkgeld. Er konnte nicht durch Bestechung zu schnellerem Fahren angehalten werden, denn er musste seinen Fahrplan einhalten. Postilione und Posthalter standen nicht im Dienst einzelner Reisender, sondern waren Staatsbeamte, die für Bestechlichkeit bestraft worden wären. – wikipedia

Nun, vor 200 Jahren gab es ohne Schmiergeld kein Fortkommen. Zeiten ändern sich. Wenn die Manager-Elite nicht einmal in diesem Rekordjahr der ökonomischen Rezession bereit ist, ihre ausufernden Gratifikations-Bezüge dem deutschen Wirtschaftswachstum (6%) anzugleichen bzw. durch eine Limitierung derselben entgegenzukommen, und mit ihrer Petition noch Erfolg haben sollte, versagt die gesetzgebende Legislative auch in dieser Diskussion und der absolute Wille des deutschen Volkes (Umfrage-Ergebnis: 70%) wird wie so oft mißachtet. Zudem würde dies konsequenterweise die fürstliche Entlohnung der Bank-Manager der bis dato schon weithin von deutschen Steuergeldern finanzierten KreditInstitute sicherstellen.

Unter diesen Umständen sollte doch erwägt werden, SpitzenManager der Industrie und des Handels gleich ebenfalls in den BeamtenStatus zu „erheben“, damit diese für die moderne – bisher noch tolerierten, da gesetzlich legitimierten – Ausprägung der jedoch moralisch schuldhaften Bestechlichkeit ebenfalls wie die Postilione anno 1812 zur Rechenschaft gezogen werden können.

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